Freitag, 11. Juli 2014

Olivia Story - Kapitel 18



Am Abend saßen wir dann immer noch auf meinem Bett. Niemand konnte zu uns ins Zimmer, schließlich hatte ich ja abgeschlossen. „Sorry, aber ich habe grade das dringende Bedürfnis LAUTE Musik zu hören...“ meinte ich und griff nach meinen Kopfhörern. „Ich auch...“ meinte Alex und fischte sein Handy samt Kopfhörern aus seiner Tasche.
Auf einer Skala meiner Musiklautstärke von 1-10 hatte ich meine Musik ungefähr auf 9,5. Ich hörte Of Mice & Men. Mir war etwas hartes Momentan lieber. Ich schloss meine Augen und lehnte mich zurück, sodass ich jetzt in Alex armen lag. Er lag ganz normal auf meinen Kissen. Aus irgendeinem Grund konnte ich meinen Puls spüren. Also stimmte es doch, dass sich der Puls dem Beat der Musik anpasst. Außerdem konnte ich regelrecht spüren, wie heiß meine Wangen waren.
Wir lagen stundenlang da und hörten einfach Musik. Ich war zwar hundemüde, aber ich MUSSTE jetzt einfach laute Musik hören. Schlafen könnte ich vorerst sowieso nicht.
Alex hatte seinen Arm nach einiger Zeit von hinten um mich gelegt. Jetzt ging seine Atmung ruhig und gleichmäßig, das konnte ich spüren. Nach einer ziemlich langen Zeit bereitete mir die Musik nur noch Kopfschmerzen. Zuerst schaltete ich sie nur leiser, dann ganz aus. Trotz der lauten Musik schien Alex zu schlafen. Ich konnte sie klar und deutlich hören. Es war Linkin Park. Musik konnte ich im Moment erstmal nicht mehr ertragen. Also beschloss ich Alex aufzuwecken, es wäre ja auch bequemer für ihn, richtig im Bett zu liegen und zu schlafen. Also strich ich ihm über die Wange. Davon wachte er auf. Er erschrak sich erst einmal wegen der lauten Musik und stellte sie ziemlich leise. „Hm...was ist?“ fragte Alex. „Ich habe mir gedacht, dass wir vielleicht schlafen gehen sollten...also vernünftig.“ Antwortete ich. „Wie spät ist es denn?“ fragte er weiter. „Gute Frage um ehrlich zu sein...“ murmelte ich und drehte mich umständlich zu meinem Wecker um. „Viertel vor zwei.“ Sagte ich dann aber. Alex stöhnte nur. „Ja, du hast recht...“ meinte er dann. Also machten wir uns fertig. Viele Worte wechselten wir nicht. „Können wir vielleicht das Fenster aufmachen? Es ist so warm hier drinnen.“ Bat Alex. „Klar.“ Meinte ich nur und öffnete es. Mir war eigentlich nicht warm, aber egal, dafür gibt es ja Decken.
Wir legten uns ins Bett. Mir fielen schon bald die Augen zu, was mit Alex passierte, wusste ich nicht, ich war ja nicht mehr wach.
Am nächsten Morgen wurden wir durch ein Klopfen an meiner Tür geweckt. „Olivia? Warum hast du abgeschlossen?“ hörte ich meine Mutter fragen. Ich musste erst einmal nachdenken, was passiert war und warum Alex neben mir lag. Dann fiel es mir wieder ein. Ich schlurfte zur Tür und schloss sie auf. „Weiß nicht, muss wohl ein Versehen gewesen sein...“ log ich. Mama glaubte es mir anscheinend. „Na gut. Dann macht euch mal fertig, in einer halben Stunde gibt es Frühstück.“ Sagte sie und ging wieder. Ich nahm mir aus meinem Schrank einen schwarzen Sweater mit der pinken Aufschrift „I’m a kitty cat.“ Und darunter einen Katzenkopf. Dazu noch die Of Mice & Men Leggins und natürlich Unterwäsche und Socken. Nach einer viertel Stunde im Bad und frisch gewaschenen Haaren ging ich zurück in meine Zimmer.
Meine Haare sind schon wieder ein ganzes Stück gewachsen. Sie gehen mir schon fast bis zu den Schultern. Ich trug sie jetzt auch wieder mit Seitenscheitel, zum Stylen waren sie eindeutig zu lang. Meine Haare wachsen erstaunlich schnell muss ich sagen. Andere Mädchen wären froh, wenn ihre Haare so schnell wachsen würden. Ich trauerte meinen kurzen Haaren dann aber doch ein wenig hinterher. Jedoch würde ich sie nicht nochmal kurz schneiden lassen.
Alex ging auch ins Badezimmer und kam mit Einfachem Blauen T-Shirt und einer schwarzen Jogginghose wieder raus. Auch seine Haare waren Nass und er roch so gut. In der Zeit wo Alex im Bad war hatte ich meine Haare nur zu einem kleinen Pferdeschwanz gebunden. Bevor wir nach unten gingen umarmte ich Alex noch einmal und vergrub mein Gesicht an seinem Pulli. „Du riechst so gut...“ murmelte ich. Er fuhr mir durch die Haare. Dann gingen wir aber nach unten. Grade als wir beim Essen waren klingelte es an der Tür. Da ich grade sowieso in die Küche gehen wollte um mir eine Serviette zu holen ging ich.
Erneut konnte ich meinen Augen nicht trauen. Es war Papa. Ich fiel ihm einfach um den Hals. Die letzten Monate hatte ich ihn so enorm vermisst. Mama kam zu uns. „Was machst du denn hier?“ fragte sie überrascht. „Jack hat mir geschrieben was passiert ist.“ Meinte er. „Das erklärt nicht, warum du hier bist.“ Bemerkte meine Mutter spitz. „Also bitte...ich habe mir gedacht, dass ich deswegen rüber komme.“ Fuhr Papa fort. „Wieso?!“ fragte Mama.
„Dad!“ rief aufeinmal Jack hinter mir. Auch er umarmte ihn. Erst jetzt fiel mir auf, wie sehr auch Jack unseren Vater vermisst haben muss. „Danke, dass du da bist.“ Sagte Jack. Mama atmete tief durch. „Ok, dann komm eben rein. Wir frühstücken grade.“ Erklärte Mama sich bereit. Dann gingen wir zurück zu den anderen. Auf Alex Gesicht erschien ein lächeln, als er meinen Vater sah, denn er mochte ihn immer sehr. Er war für ihn immer besser als sein eigener Vater gewesen.
Ole sah auf. Erst konnte man für einen kurzen Moment sehen, dass er aus der Fassung gebracht worden war, dann war aber alles wieder verschwunden. „Hallo Tom.“ Sagte er. „Möchtest du einen Kaffee?“ fragte er. „Wenn es keine Umstände macht.“ Antwortete Papa und schaute dabei zu Mama. „Ach quatsch, das doch nicht. Jason, holst du deinem Vater bitte eine Tasse?“ sagte er zu Jason. Jason zögerte erst einen Moment, dann setzte er sich aber in Bewegung. „Unglaublich, dass Jason springt, wenn Ole was sagt...“ flüsterte ich kaum hörbar zu Alex. Dieser sah mich nur an und widmete sich dann wieder seinem Brötchen.
Hayley schlief noch und Aubrey übernachtete heute bei einer Freundin, von daher konnten die beiden noch nichts von Papa mitbekommen. Aber sie sind ja sowieso jedes zweite Wochenende bei ihm. Jack und ich hatten ihn seit Mamas und seiner Scheidung erst ein paarmal gesehen und Jason schon ein paarmal mehr. Jeden Monat ein bis zwei Mal. In den letzten beiden Monaten hatte ich ihn jedenfalls nicht gesehen.
Ich nahm mir eine Scheibe Kinderwurst und packte sie lustlos auf mein Brötchen und biss rein. Jason kam mir einer Tasse wieder und gab sie Ole. Dieser goss Papa eine Tasse Kaffee ein. „Zucker oder Milch?“ fragte er. „Zucker, zwei Stücken.“ Antwortete Papa.  Beim Frühstück sagte dann niemand mehr etwas.
Später saßen Alex und ich zusammen mit Papa im Wohnzimmer und erzählten eine Weile miteinander. Dann kam Jack noch und wir beide gingen. Ich konnte mir gut vorstellen, dass Jack mal wieder etwas Zeit mit Papa verbringen wollen würde.
Alex und ich waren in meinem Zimmer. Ich lag ausgestreckt auf meinem Bett und Alex saß an mein Bett gelehnt auf dem Boden. „Weißt du...jetzt ganz weit weg sein wäre schön...“ sagte ich. „Ja...“ meinte Alex nur und schien mit seinen Gedanken an einen ganz anderen Ort zu wandern. „Ich meine...ich war ja erst weg...aber ich bräuchte ernsthaft mal richtigen Abstand von dem allen hier...“ fügte er sehnsüchtig hinzu. „Wie wäre es mit Amerika?“ fragte ich. „Wäre das weit genug weg?“ Alex drehte sich zu mir. „Wie meinst du das?“ stellte er als Gegenfrage. „Naja...wir haben doch jetzt Sommerferien...und ich hab dir doch mal von meinen Verwandten in Kalifornien erzählt oder? Ich bin mir sicher, dass wir zu denen kommen könnten. Mein Vater hat immer erzählt, dass wir immer zu ihnen kommen könnten...“ meinte ich und verschränkte meine Arme hinter meinem Kopf. „Aber ist das nicht ein bisschen teuer...?“ fragte Alex. „Naja, wir haben doch bald Geburtstag...“ meinte ich. „Ja, aber trotzdem...der England Aufenthalt war schon so teuer...“ meinte Alex.
Ja...aber da wo Maria nicht mehr da ist...Nein! So darf ich nicht denken...!
Ich schwieg. „Aber eigentlich hast du ja recht...“ meinte Alex irgendwann. „Wir könnten uns auch noch für ein, zwei Wochen Ferienjobs suchen...ich könnte Babysitten und du...keine Ahnung...Bestimmt kannst du irgendwo als Kellner aushelfen...“ meinte ich. „Ja schon...Aber vielleicht kann ich es mir ja doch wünschen...“ meinte Alex. „Weißt du was? Meine Verwandten sind ziemlich wohlhabend...ich meine schließlich leben sie in Kalifornien...und ich bin mir sicher, dass sie einen Teil der Kosten übernehmen würden.“ Meinte ich. „Was? Nein! Das geht doch nicht.“ Meinte Alex. Ich drehte mich auf den Bauch und nahm sein Gesicht in meine Hände. „Ich weiß, dass hört sich doof an, ich meine du kennst sie nicht mal, ich ja auch kaum, aber sie würden das bestimmt gerne machen und uns würde das doch auch zu gute kommen.“ Sagte ich. „Ist schon klar...aber das kommt so rüber als ob ich dich und vor allem deine Verwandten ausnutzen würde...“ meinte er. „Ja, es klingt vielleicht so, aber es ist nicht so!“ sagte ich. „Mhm...Naja...wenn du es sagst...Aber ich tue es nur für dich!“ meinte er dann doch. Ich gab ihm einen Kuss. Wir hatten uns bis jetzt gar nicht wieder geküsst.
Danach klärten wir alles mit meiner Mutter und auch mit meinen Verwandten in Amerika. Alles klappte! In zwei Wochen würden wir dann losfahren bzw. -fliegen. Meine Großtante und ihr Mann würden dann einen Teil der kosten übernehmen.
An den meisten Tagen schließ Alex bei mir, allein schon wegen Robin, aber der hielt sich in der Zeit überraschenderweise etwas zurück.
Jack würde nicht mitkommen, er wollte zu Hause bleiben und etwas mehr Zeit mit Dad verbringen. Auch hatte er angekündigt bald auszuziehen. Ich wollte das zwar nicht, aber es geht ja nicht um mich. Jason würde dann Jacks Zimmer bekommen und Aubrey dann Jasons.
Aber wie dem auch sei.

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