Sonntag, 22. Juni 2014

Olivia Story - Kapitel 16



Wir waren sehr lange aufgeblieben. Hatten Karten mit dem Rest der Familie gespielt. Gegen halb elf hatte es dann an der Tür geklingelt. Es schien für Jason zu sein und außerdem war es eine Jungenstimme gewesen. Die Stimme hatte gekränkt geklungen und als ob er geweint hätte. Danach war Jason mit ihm in seinem Zimmer verschwunden. Was mich als einziges überraschte, war, dass Jason Eltern anscheinend nichts dagegen hatten. So wie sie ja auch nichts dagegen hatten, dass Alex und ich in einem Zimmer, sogar in einem Bett schliefen. Aber anscheinend sahen sie das ganze ganz locker.
Jetzt war es circa halb eins und Jack und Maria waren grade in ihr Zimmer verschwunden. Sie wollten schlafen wie es schien. Naja, ich war mir sicher, dass nur Maria schlafen wollte, Jack würde sicherlich noch Videos gucken oder etwas zocken.
Vielleicht würde Maria dann auch noch mitzocken, mit ihr kann man echt toll zocken, manchmal kann sie echt wie ein Junge sein. Ich glaube das schätzen viele Jungs an ihr, denn sie hat auch viele männliche Freunde. Mark störte das ganze aber nicht. Auch er findet es gut, dass man mit ihr auf diese Weise Spaß haben kann und auch, dass er dadurch auch einige weibliche Freunde haben kann, ohne das Maria eifersüchtig wird.
Alex und ich machten uns auch fertig fürs Bett, aber wir hatten noch nicht vor zu schlafen, obwohl es schon so spät war. Ich hatte eine ziemlich kurze Baumwoll-Shorts und ein T-Shirt an. Alex trug nur Boxershorts. Heute war es trotz des Gewitters mega warm. Die Decken hatten wir gleich schon weggelegt. Alex lag auf dem Bett. Ich kam zu ihm. Zuerst setzte ich mich nur auf die Bettkante. „Das heute im Schwimmbad...“ setzte ich an. Alex grinste mich an. „Mich hat es überkommen...Ich konnte mich nicht zurückhalten.“ Meinte er. Auch ich grinste. Dann schwang ich mich auf seine Hüften. Ich beugte mich zu ihm runter und presste meine Lippen auf seine. Meine Hände legte ich auf seine Brust. Er schien zuerst ein wenig überrascht über diesen spontanen Kuss, erwiderte ihn dann aber mit größtem Vergnügen. Ich massierte seine Brust ein wenig. Er stöhnte wieder in den Kuss hinein und mein Körper war mit einer Gänsehaut überzogen. Mein Verstand setzte irgendwie aus, das merkte ich daran, dass ich meinen Körper nicht mehr kontrollieren konnte. Ich machte einfach mit dem weiter, was ich schon die ganze Zeit macht. Ihn küssen und seine Brust massieren. Selbst wenn ich es gewollt hätte, hätte ich nicht aufhören können. Dieser Moment war einfach so intensiv. Um mich herum verschwamm wieder alles und ich hörte nicht einmal mehr die Uhr ticken. Ich konnte nur noch Alex atmen und stöhnen hören. „Hör damit bitte nie wieder auf...“ murmelte er als wir Luft für einen weiteren Kuss holten. Ich konnte nur lächeln. „Ich hatte auch nicht vor aufzuhören.“ Sagte ich nur und küsste ihn erneut. Dabei musste ich feststellen, dass küssen und lächeln gleichzeitig nicht sehr gut funktioniert. Mir war ziemlich warm. „Willst du dich nicht lieber nach unten legen?“ fragte er irgendwann. Ich überlegte. Dann nickte ich aber und wir tauschten Plätze. Jetzt lag ich unten und Alex stützte sich auf seinen Ellenbogen ab, damit er mich nicht ganz erdrückte. Unsere Lippen waren gierig, wie heute im Freibad. Eine seiner Hände wanderte zum Saum meines T-Shirts. Ich hielt seine Hand fest. So schnell sollte es dann auch nicht gehen. Er stockte und sah mich an. Ich legte seine Hand wieder neben mich. Er verstand was ich meinte und stützte sich wieder auf beide Ellenbogen. Wir küssten uns einfach weiter und weiter. Ich verlor vollkommen das Zeitgefühl.
Auf einmal ging das Licht aus. Ich spürte, wie sich Alex von mir runterrollte. Aufeinmal blitze und donnerte es. Ich nahm mein Handy und schaltete daran die Taschenlampe an. Dann stand ich auf und sah aus dem Fenster. Es regnete fürchterlich und ehrlich gesagt, sah es nicht so aus, als ob es grade erst angefangen hatte. Ich hörte Schritte draußen. Dann klopfte es an der Tür.
Jemand öffnete sie. „Hey, don’t you have light, too?“ fragte Jason. „No, we haven’t.” antwortete ich. “Well, it seems like we have a power failure...” sagte Jason. “Oh no...” meinte ich nur. Wir sahen nach, wer noch alles wach war. Jeder war noch, oder schon wieder wach. Anscheinend hatten Alex und ich das Gewitter überhaupt nicht mitbekommen. Auch Jasons Kumpel war noch da. Er hieß Mike. Die ganzen Umliegenden Wohnungen schienen auch kein Strom zu haben, im Treppenhaus konnte man ebenfalls kein Licht anmachen und die Straßen waren auch dunkel. Es blitzte fast jede Sekunde. Wir holten richtige und LED Kerzen hervor. Alle saßen im Wohnzimmer. Entweder auf dem Sofa oder auf dem Boden. Alex und ich zum Beispiel saßen auf dem Boden. Ich war an Alex gekuschelt, auch wenn es immer noch ziemlich warm war. Alle schwiegen. Das Zimmer war jede Sekunde erhellt und der Donner wollte auch nicht wieder aufhören. Es regnete und stürmte fürchterlich. Ich war aufeinmal so müde. Irgendwann schlief ich in Alex‘ Armen ein. Das hielt aber nur eine halbe Stunde an. Dann wachte ich wieder auf. Jason und Mike lagen auf dem Boden und schliefen, Jack saß im Sessel und schlief auch, der Rest war wach. Immer noch blitzte es dauernd. Ich zog Alex Arm etwas mehr um mich. Er gab mir einen Kuss auf die Wange. Normalerweise mag ich Gewitter, ich liebe es sogar, aber jetzt machte es mir einfach nur Angst. So etwas hatte ich noch nie erlebt. Dauerblitzen und –donnern. Maria ging auf Toilette und setzte sich danach neben mich. Sie griff nach meiner Hand. Dann lehnte sie sich an mich und ich legte einen Arm um sie. Sie hatte also auch Angst. Aufeinmal kam ein ganz lauter Donner. Alle rissen die Hände zu ihren Köpfen um sich die Ohren zu zuhalten. Der Donner ging durch Mark und Knochen. Jetzt waren alle wieder wach. Jack kam von seinem Sessel runter und setzte sich zu uns. Ich zitterte noch immer vom Donner. Das Gewitter zog sich bis früh am Morgen. Der Himmel wurde langsam wieder etwas heller, die Blitze und der Donner wurden weniger und auch leiser. Die ganze Zeit hatte niemand was gesagt. Der Strom kam erst gegen halb elf wieder. Wir kochten erstmal Kaffee und Tee und aßen ein wenig. Mein Handy war leer gewesen und da kein Strom da war, hatte ich es nicht aufladen können. Ich hatte einige verpasste Anrufe von Mama und auch von Emily und Carly. Ich rief zuerst Mama an. „Oh Gott sei Dank! Wieso seid ihr denn nicht an eure Handys gegangen?“ meldete Mama sich. „Mama, alles ok, es gab einen Stromausfall und unsere Handys waren leer.“ Beruhigte ich sie. Sie ließ sich aber erst ganz beruhigen, nachdem Jack und ich ewig auf sie eingeredet hatten.
Die nächsten Tage passierte nichts Aufregendes mehr. Und irgendwann war dann der Tag gekommen, an dem Jack un dich zurück nach Deutschland fliegen mussten. Am Flughafen wurden dann wieder Tränen vergossen. „Ich will nicht von euch weg!“ schluchzte ich in Alex Armen. „Oli, es sind nur noch zwei Monate!“ versuchte Alex mich zur Vernunft zu bringen. Ich wusste ja, dass es nicht mehr lang war, aber ich wollte trotzdem nicht weg. „Oli, wir müssen zum Flugzeug.“ Sagte Jack sanft. Wiederwillig löste ich mich von Alex, verabschiedete mich von den anderen und küsste Alex ein letztes Mal für die nächsten beiden Monate.
Wen es interessiert: Jason und Mike sind zusammengekommen, am Morgen nach dem Gewitter. Jason und ich sind außerdem recht gute Freunde geworden. Ich habe seine Nummer.
Dann setzte ich meine Sonnenbrille auf und ging mit Jack zum Flugzeug. Dort setzte ich die Brille logischerweise wieder ab. Als wir abhoben hatte ich einen stechen in der Brust und mein Magen zog sich zusammen. Es schmerzte so Doll wieder von hier wegzugehen. So mussten sich Alex und Maria auch gefühlt haben, als sie weggeflogen sind.
Mama wartete natürlich am Flughafen auf uns. Robin war ein Glück nicht bei ihr. Nach gefühlten fünfzigtausend Umarmungen konnten wir dann auch endlich los. Meine erste Tat war Alex eine Whatsapp Nachricht zu schreiben, dass wir angekommen sind.
Ich hatte übrigens heute das Of Mice & Men Top an und die Armbänder um. Dazu eine Leggins mit Blumen drauf und schwarze Vans.
Nachdem Mama uns nach Hause gebracht hatte, kam auch gleich Robin wieder. Ich flüchtete mich zu Jack ins Zimmer und wir guckten gruselige Videos. Jemand kam die Treppe hoch, wahrscheinlich um auf die Toilette zu gehen. Irgendwann kreischte ich auf und klammerte mich an Jack, weil ich mich so erschrocken hatte. Die Tür ging auf. „Was ist denn hier los?“ fragte Robin mit gerunzelter Stirn. Ich seufzte innerlich und verdrehte meine Augen. „Wir gucken nur gruselige Videos, alles ist ok.“ Meinte Jack. Robin schloss die Tür wieder. „Oh mein Gott, wie er mich einfach aufregt, ey. Wieso muss er sich bei ALLEM einmischen?“ fragte ich gereizt, als ich mir sicher sein konnte, dass er mich nicht mehr hören konnte. Jack seufzte nur und spulte ein Stück zurück, da wir ja nun ein Stück verpasst hatten.
Später ging ich zurück in mein Zimmer, da ich mich duschen wollte. Das tat ich dann auch und als ich wieder in mein Zimmer kam, lag meine GESAMTE Unterwäsche auf dem Boden verteilt und meine Spitzenunterwäsche, die ich mir in London gekauft hatte lag auf meinem Bett. Mein Herz begann zu rasen. Ich sah mich um und ein Glück konnte ich Robin nirgends entdecken. Ich hastete also zur Tür und schloss ab. Dann ließ ich mich erstmal an der Tür auf den Boden sinken und sah mich in meinem Zimmer um. Mein Herzschlag war das lauteste Geräusch weit und breit. Dann stand ich aber abrupt auf und sammelte meine gesamte Unterwäsche wieder auf. Fast hatte ich alle Stücke wieder zusammen und in meinen Schrank gelegt. Da hob ich einen Slip auf und packte dabei in eine milchig-trübe, weiße Flüssigkeit. Augenblicklich ließ ich den Slip wieder fallen und starrte auf meine Finger. Die andere Hand schlug ich mir vor den Mund, denn in mir kam mein Mittagessen wieder hoch. Ich stürmte ins Badezimmer und übergab mich. Das Zeug sah aus wie Sperma. Sofort wusch ich mir die Hände und zwar mindestens fünf Minuten, nur um sicher zu gehen, dass auch wirklich nichts mehr an meinen Händen war. Danach desinfizierte ich sie noch. Ich ging zurück in mein Zimmer und nahm den Slip mit meinen Fingerspitzen, ich schlich mich nach draußen und warf ihn in die Mülltonne. Ich konnte den jetzt einfach nicht mehr anziehen. Dann ging ich wieder hoch in meine Zimmer und räumte den Rest meinen Unterwäsche auch in den Schrank. Danach knallte ich die Schublade einfach zu und setzte mich vor dem Schrank mit einem Kissen auf den Boden. An das Kissen klammerte ich mich und atmete erstmal ganz tief durch. Dann machte ich meine Musik an. Ich postete einige Fotos auf Facebook und Instagram. Irgendwann gab es Abendessen. Ich hatte mich entschlossen, niemandem etwas von der Sache vorhin zu erzählen, das war mir dann doch zu peinlich. Robin musterte mich eine ganze Weile als ich unten kam, als ich ihm dann kurz in die Augen sah, konnte ich für einen Bruchteil einer Sekunde Nervosität in seinen Augen erkennen, dann war alles wieder weg und er wandte seinen Blick ab. Wir aßen und ich verkrümelte mich in mein Zimmer. Dort beschloss ich, mal wieder einen Beauty-Abend zu machen. Also zog ich mich bis auf die Unterwäsche aus, zog mir einen Bademantel über, nahm meinen Schmuck ab und schminkte mich erstmal ab. Danach machte ich eine Maske auf mein Gesicht und setzte mich an meinen Schreibtisch. Dort entfernte ich meinen alten Nagellack, schnitt meine Nägel, machte Nagelpflege und Unterlack drauf und lackierte meine Nägel dunkelrot. Danach machte ich noch Topcoat drauf und wartete bis alles getrocknet war. Es klopfte an meiner Tür und jemand machte sie auf. Es war Jack. „Oh Gott sei Dank, ich dachte Robin wäre es...“ murmelte ich nur. Jack schreckte erstmal zurück. „Wie siehst du denn aus?“ fragte er. Ich grinste. „Tzja, was glaubst du, warum ich sonst immer so gut aussehe?“ fragte ich. „Du scheinst ja ein großes Selbstvertrauen zu haben.“ Meinte Jack nur, grinste dann aber. Dann fiel sein Blick unter mein Bett. Er ging hin und nahm einen meiner BHs mit den Fingerspitzen hoch. Dabei sah er mich mit gerunzelter Stirn an. Ich sprang auf und entriss ihm den BH. Den schmiss ich in meine Schublade und knallte sie wieder zu. „Ich sollte da wohl ein großes Vorhängeschloss vor machen...“ murmelte ich. „Was?“ fragte Jack. „Ach nichts, alles ok.“ Meinte ich nur. „Also was wolltest du hier eigentlich?“ lenkte ich schnell ab. „Achja, genau! Ich...eh...verdammt...was wollte ich nochmal...Ach scheiße, ich habs vergessen...!“ meinte Jack. „Na dann war es wohl nicht so wichtig.“ Meinte ich und setzte mich wieder auf meinen Stuhl. „Ja...naja, ich komme wieder, wenn es mir wieder einfällt.“ Meinte Jack und ging wieder. Als meine Nägel dann trocken waren wusch ich die Maske ab. Ich cremte mich ein und wollte mir erst meinen Schlafanzug anziehen, dann entschloss ich mich aber dazu, nochmal in den Garten gehen. Also zog ich mir wieder was an und ging in den Garten. Ich hatte mein Tablet dabei. Damit kletterte ich auf Alex‘ und meinen Baum und setzte mich an meine Tablet. Ich machte erst noch ein paar Selfies im Sonnenuntergang, auch wenn ich kein Make Up trug. Auf einem Bild, glitzerte Alex Ring, an der Kette. Ich umschloss ihn mit meiner Hand und schloss einen Moment meine Augen.
Noch eine Sache nebenbei. Falls ihr euch fragt, wie ich auf den Baum sitzen kann, dort ist eine kleine Fläche mit Brettern. Die haben wir extra dort angebracht, damit man da sitzen kann.
Ich surfte ein wenig im Internet. Irgendwann wurde es dann etwas kühl, also holte ich mir einige Decken, um mich erstens zuzudecken und zweitens, den Platz dort oben etwas bequemer zu machen. Ich saß noch bis spät in die Nacht dort oben. Das Tablet hatte ich schon bald wieder weggelegt und hatte dann einfach nur auf dem Baum gesessen, nachgedacht und die Natur genossen. Danach ging ich dann aber ins Bett. Mitten in der Nacht wachte ich wieder schweißgebadet auf. Ich hatte wieder den Traum gehabt.

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