Samstag, 26. Oktober 2013

Bus Story:)



Als nächstes hatten wir also Kunst. Mike müsste nun in allen Fächern vorlieb mit mir nehmen, da ich immer alleine saß. Wir hatten letztes Mal das Thema USA angefangen und sollten jetzt das malen, was uns dazu einfiel. Ich malte das Empire State Building in New York. Ich kann schon ziemlich gut zeichnen, aber im Vergleich zu Mike ist das nichts wie sich herausstellte. Er malte das Hollywood Zeichen von ziemlich weit weg, also auch mit Häusern und allem.
Wow…Hey, das muss ich auch lernen. Er kann so verdammt gut zeichnen…

Ich gab mir richtig Mühe gut zu zeichnen. Dann war auch diese Doppelstunde vorbei. Als letztes stand Physik auf dem Stundenplan. Es war wie immer langweilig, weil Herr Lange wieder einen seiner berühmt berüchtigten Vorträge hielt. Es ging um den zweiten Weltkrieg und dass es da so wenig essen gab und das wir damit viel zu verschwenderig umgehen. Wir hatten die Ehre diesen Vortrag zu hören, weil Lasse mir mein Brot weggenommen hatte und mich schließlich auch noch damit beworfen
hatte. Ich war ziemlich glücklich als ich endlich im Bus stand. Mike saß wieder auf demselben Platz wie heute Morgen. „Hey, wieso setzt du dich nirgendwo hin?“ fragte er mich. „Naja, niemand will, dass ich neben ihm sitze, wie du sicherlich schon bemerkt hast, kann mich niemand leiden.“ Antwortete ich. „Naja, nicht leiden ist gut. Die mobben dich ja.“ Sagte er. „Ja, seit der dritten Klasse.“ Sagte ich nur. „Oh…Na dann setzt dich doch einfach neben mich, ich hab nichts dagegen.“ Sagte er. Ich guckte ihn ungläubig an. „Bist du dir sicher? Es ist ja schon schlecht für deinen Ruf, dass du überhaupt mit mir sprichst. Willst du dir das wirklich gleich alles versauen?“ fragte ich lächelnd. Er lachte. „Das Risiko gehe ich ein.“ Meinte er.
 Ich setzte mich also neben ihn. Komisches Gefühl, seit Jahren mal wieder zu sitzen.
„Mike?“ er drehte sich zu mir um. „Wie heißt du eigentlich mit Nachnahmen?“ fragte ich. „Schulz und du?“ stellte er als Gegenfrage. „Aprils. Dani Aprils.“ Antwortete ich. „Aprils? Bist du etwa die Schwester von Jackson Aprils?“ fragte er. Ich nickte. „Woher kennst du ihn?“ fragte ich. Jackson ist mein anderer Bruder. „Jackson ist der Mann meiner Schwester Debbie.“ Debbie ist in der Tat meine Schwägerin. Ich bekam große Augen. „Warst du auf der Hochzeit?“ fragte ich ihn. Er nickte. „Du auch?“ Ich nickte ebenfalls. „Wieso kann ich mich dann nicht an dich erinnern?“ fragten wir beide gleichzeitig. Wir lachten. Mein Bruder ist schon 27. Er hat vor neun Jahren (also mit 18) geheiratet. Ich war da also erst sechs. Mike dann wahrscheinlich auch. Wir unterhielten uns noch ein bisschen bis der Bus anhielt. Er verabschiedete sich von mir und stieg zu seiner Mutter ins Auto und ich ging wie immer den gleichen Weg nach Hause.
Zu Hause gab es lecker Pizza. „Ratet mal, wer jetzt hier wohnt und in meine Klasse geht?“ fragte ich in die Runde. Niemand konnte mir eine Antwort geben. „Der Bruder von Debbie. Mike Schultz.“ Sagte ich schließlich. Den anderen blieb förmlich das Essen im Hals stecken. „Das ist ja ein Zufall. Mensch, das hätte sie uns nun aber wirklich sagen können, das ihre Familie hierher zieht.“ Niemand sagte etwas darauf und wir aßen weiter.
 Die nächsten Tage verliefen ähnlich. Mike und ich freundeten uns immer mehr an. Wir waren ja auch die einzigen die wir beide haben. Niemand anderes will mit mir reden oder was unternehmen und Mike kennt niemanden. Manchmal kommt es mir auch so vor, als ob er auch mit niemanden anders reden will.
Nach drei Wochen kam es mir dann auch schon so vor, als ob wir uns schon ewig kennen, obwohl das ja nicht ganz stimmt.
Heute war wieder ein verdammt anstrengender Tag.
Wie sich in den letzten drei Wochen herausgestellt hatte, war Mike in den künstlerischen Fächern sehr begabt und ich eben in den Naturwissenschaften und Sprachen. Obwohl Mike auch echt richtig genial Englisch sprechen kann. Er hat mir erzählt, dass er nach der Hochzeit von Debbie und Jackson vier Jahre lang in San Francisco gelebt hatte. Dann ist er mit zehn wiedergekommen. In Französisch ist er auch relativ gut, ich bin aber trotzdem besser.
Ich saß wie immer neben ihm.

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