Montag, 5. Mai 2014

Alexa Story - Kapitel 14



Am nächsten Tag ging es mir schon wieder besser. Wir hatten Bandprobe, die aber zu einer Art Kaffeekränzchen umfunktioniert wurde, weil mein Arm noch so wehtat, dass ich keine Gitarre spielen konnte. Natürlich hätte ich einfach nur singen können, aber meine Gitarrenparts sind dafür zu wichtig. Also saßen wir mit Tee und Keksen im Keller und erzählten uns dies und das. Die Kellertür ging oben auf  und Sylvia kam die Kellertreppe runter. „Nanu? Heute keine Musik?“ fragte sie. „Ich habe gestern Blut abgenommen bekommen und mein Arm tut noch so weh, also kann ich nicht Gitarre spielen.“ Erklärte ich. „Oh, du arme!“ meinte Sylvia. „Ja vor allem, wenn man panische Angst vorm Blut abnehmen hat.“ Sagte Danny. „Ja...das war wirklich nicht schön...“ sagte ich. Wir unterhielten uns noch ein bisschen mit Sylvia, dann ging sie auch wieder. „Sollten wir es ihnen sagen? Das mit uns?“ flüsterte ich Jack zu. Er überlegte kurz. „Meinetwegen.“ Flüsterte er zurück. Ok, also dann. „Ich...also...wir haben euch was zu sagen.“ Setzte ich an. „Hey, zieh mich da doch nicht rein, du wolltest es sagen.“ Meinte Jack lachend. „Haha, sehr witzig. Also. Jack und ich...wir sind zusammen.“ Sagte ich. Cassy sprang auf. „Yippie! Na endlich! Ich habe es doch gewusst!“ rief sie und fiel mir um den Hals. Jack saß mit seinem Grinsen neben mir und drückte meine Hand. Danny umarmte mich auch. Nur Kyle sah mal wieder ziemlich blass aus. „Kyle? Geht es dir gut?“ fragte ich daher. Er stand irgendwie neben sich. „Ja...nein...ich brauche etwas frische Luft, mir ist so schlecht, ich hatte wohl zu viele Kekse.“ Meinte er und verschwand. Als er weg war, sahen wir uns an. „Ich gehe mal nach ihm gucken.“ Meinte ich und ging ebenfalls. Kyle saß vor dem Haus auf der Bank, sein Kopf war in seine Hände gestützt. Ich setzte mich neben ihn. „Geht es dir wirklich gut?“ fragte ich, da ich sah, dass er weinte. Er sah auf. „Nein, mir geht es ganz und gar nicht gut.“ Sagte er. „Was ist denn los?“ fragte ich besorgt. „Jack und du, das ist los. Jetzt seid ihr auch noch zusammen...“ Ich verstand nicht ganz. „Alexa, ich liebe dich, ich habe mich gleich am ersten Tag in dich verliebt... dann kam Jack. Erst warst du nur in ihn verknallt, dann habt ihr euch gedatet, das war schon zu viel für mich. Aber jetzt seid ihr auch noch zusammen... Ich kann nicht mehr...“ sagte er leise. Ich bekam einen Schock, denn in meine, Gehirn drängte sich ein Gedanke immer mehr in den Vordergrund und der gefiel mir gar nicht. Ich fasste seinen Ärmel an. Er spannte sich an und klammerte sich am Ärmel fest. Ich zog. Er hielt weiterhin fest. „Kyle...!“ Ich wurde unruhig. Dann riss ich ihm einfach den Ärmel aus der Hand und sein Arm wurde sichtbar. Nichts. Dann fiel mir auf, dass er genauso wie Danny Linkshänder ist. Der Ärmel wurde nun also nun auch von mir hochgerissen. Und Tatsache. Ich sprang auf. „Wieso kann nicht irgendjemand hier vernünftig sein?!“ rief ich. „Keiner den ich kenne außer Jack kann sich beherrschen! Alle machen diesen Scheiß, wenn Cassy und ich auch damit aufgehört haben, unsere Arme sehen trotzdem aus wie ein Schlachtfeld! Alle sind so dumm und dann auch noch wegen so dummen Sachen. Bei Danny verstehe ich es noch ein bisschen, er hat Panikattacken, ich habe es ihm super vorgemacht mit dem ritzen und er wurde übelst gemobbt! Aber du? Und Lindsay? Lindsay fühlt sich vernachlässigt! Hallo?! Sie ist doch eine verwöhnte Zicke. Wegen sowas muss man sich doch nicht die Arme aufschneiden! Und du? Weil ich mit Jack zusammen bin? Werd Erwachsen, es gibt andere Mädchen! Wir wären doch ganz sicher nicht zusammen geblieben! Auch wenn ich es nicht hoffe, aber Jack und ich werden bestimmt auch nicht ewig zusammen bleiben, das ist eine Jugendliebe! Kyle, wir sind doch alle erst 15 oder 16! Wir haben unser ganzes Leben noch vor uns! Willst du dir das wegen sowas zerstören? Ich verstehe es ja bei Leuten, wie Danny und mir und ich weiß, dass es nicht leicht ist zuzugeben, dass man lesbisch ist und das herauszufinden ist noch viel Schwieriger, aber das sehe ich nicht als Grund. Ich habe angefangen, wegen Mobbing, wegen einer kaputten Familie! Ich sah scheiße aus, auch wenn ich das immer noch tue. Ich weiß, dass meine Gründe auch nicht sehr sinnvoll sind, aber mehr als eure. Ich weiß, dass klingt egoistisch, aber es ist so!“ Ich war völlig außer mir, weil das einfach nur so dumm war. Kyle konnte erstmal gar nichts sagen. „Alexa, ich gönne es dir und ich gönne es auch Jack. Ich weiß dass das nicht besonders sinnvoll ist, es sind keine Vernünftigen Gründe, aber urteile nicht über andere!“ Tränen liefen seine Wangen entlang. Das mit Lindsay hatte ich gesagt, aber ich wusste, dass sie es Cassy und Kyle erzählt hatte. Von daher musste ich kein schlechtes Gewissen haben. Kyle stand auf und ging. Ich setzte mich auf die Bank und musste mich erstmal sammeln. Ich konnte es nicht fassen. Die Tränen unterdrückte ich auch einfach. Klappt nicht so oft. Ich knackte meine Finger, das hilft mir meistens beim Beruhigen. Ich weiß, das ist für einige ein sehr unangenehmes Geräusch und man sollte es eigentlich auch nicht machen, aber lieber so, als was anderes machen. Dann stand ich auf. Ich atmete noch ein paar Mal tief ein und aus, dann ging ich wieder ins Haus und in den Keller. Kyle war wahrscheinlich in seinem Zimmer. „Geht es Kyle gut?“ fragte Cassy gleich. „Ja, ihm war nur schlecht. Er ist wahrscheinlich in sein Zimmer gegangen.“ Das war natürlich nur sie halbe Wahrheit. „Aber ich habe dich lautstark meckern hören.“ Meinte Danny. Erwischt. „Tzja, fragt ihn am liebsten selber, ich sage dazu nichts mehr.“ Sagte ich nur und knackte erneut meine Finger. Cassy verzog das Gesicht. Auch Danny war nicht sonderlich begeistert.
Später waren wir wieder bei Jack. Noch drei Tage, dann würden wir wieder zu Hause sein. Aber ich hatte auch kein Problem damit Jack nahe zu sein.
Die letzten drei Tage vergingen ziemlich schnell. Einmal hatten wir Bandprobe. Kyle und ich hatten nicht miteinander geredet.
Jetzt saß ich auf meinem Bett. Ich dachte über die Sache mit Kyle nach. Ich hatte vielleicht ein wenig überreagiert, aber es ist doch so. Aber andererseits...Kyle ritzt sich, weil ich ihn liebe...es ist meine Schuld...In mir kamen die Tränen hoch. Dieses Mal konnte ich sie nicht zurück halten. So eine kacke... Das war alles zu viel für mich. Ich konnte mich nicht mehr beruhigen. Ich heulte laut drauf los. Um das zu übertönen machte ich laut Musik an, aber es war schon zu spät. Ich schloss die Tür ab und ließ mich weinend an der Tür sinken. Danny klopfte an. Ich ignorierte es. Das Klopfen wurde eindringlicher, aber ich stand einfach auf und machte die Musik lauter, sodass er mein Heulen ganz sicher nicht hören konnte. Ich stützte mich an meinem Schreibtisch ab. In mir schmerzte es fürchterlich. Ich hatte ewig nicht mehr geheult und alles kam aus dem letzten Jahr zusammen. Ich schrie, aber mich konnte ja ein glück niemand hören. Danny klopfte an mein Fenster bei der Dachterrasse. Er hatte mich also gesehen. Ich ging zum Fenster und ließ die Jalousien runter. Er klopfte laut gegen mein Fenster. Irgendwas sagte er, aber ich konnte und wollte es nicht verstehen. Ich setzte mich in eine Ecke. Meine Atmung war schnell und unregelmäßig. Ich konnte mich einfach nicht mehr beruhigen und nahm mir ein Kissen und schrie solange darein, bis ich mich ein wenig besser fühlte. Trotzdem ging ich heulend in meinem Zimmer auf und ab. Ich schlug ein paar Mal mit einem Kissen gegen die Wand, irgendwann taten mir die Hände weh. Ich setzte mich an meinen Schreibtisch, legte meinen Kopf auf meine Arme und die auf meinen Tisch und heulte einfach hemmungslos. Ein lautes, sehr lautes, Klopfen lies mich aufschrecken. Ich machte aber keine Anstalten die Tür zu öffnen. „ALEXA!“ rief mein Dad. Ich nahm einen Zettel und schrieb. „Geht einfach weg, ich beruhige mich schon wieder.“ Den steckte ich unter der Tür durch. Doch das Klopfen verstummte nicht. Irgendwann war die CD zu Ende. „Alex! Mach die Tür auf!“ rief Danny. Ich lies mich breitschlagen. Ich schloss die Tür auf, aber mehr auch nicht, wenn er wollte, kann er ja reinkommen. Das tat er auch. Ich lief die ganze Zeit durch den Raum. Danny schloss die Tür wieder ab. „Hey, was ist denn los?“ fragte er besorgt. Ich sagte nichts, sondern hielt mir meine Hand vor den Mund um nicht schreien zu müssen. Es war ein schreckliches Gefühl. „Es ist alles meine Schuld!“ rief ich schließlich. „Was? Was ist deine Schuld?“ fragte er weiter. Ich schüttelte den Kopf, ich konnte noch nichts sagen. Irgendwann ging es dann wieder. „Kyle ritzt sich wegen mir, weil ich ihn nicht liebe, weil ich mit Jack zusammen bin!“ rief ich. Danny nahm mich bei den Schultern, aber ich riss mich los. „Ich habe jemanden dazu gebracht, sich wegen mir die Arme aufzuschneiden!“ rief ich weiter. „Und dann habe ich ihn auch noch angeschrien, dass es total sinnlos ist und dass er dumm ist. Verstehst du nicht?! Ich habe ihn zerstört!“ ich war völlig hysterisch. „Ok, das reicht...!“ meinte Danny und verschwand. Keine Ahnung was los war. „Wohin gehst du?!“ rief ich schrill und heulte weiter. Er schloss von außen ab. Ich rüttelte an der Tür. Aber es interessierte mich nicht länger. Ich brach weinend zusammen. Keine Ahnung wie lang ich da so saß, aber irgendwann ging die Tür auf und ein total aufgebrachter Jack stürzte in mein Zimmer. Er schloss ab, von innen natürlich. Dann kümmerte er sich um mich. Er kniete sich neben mich und strich mir übers Haar. „Hey, alles ist gut. Was ist los?“ fragte er. Ich sagte nichts. Jack schloss mich in seine Arme und setzte sich mit mir gegen die Wand gelehnt hin. Ich heulte einfach, aber jetzt war er da, jetzt war alles wirklich wieder gut, naja nicht alles, aber es war ein guter Anfang. Jack strich mir immer wieder übers Haar. Er kraulte mich auch hinterm Ohr, er hatte die Tage schon herausgefunden, dass ich das über alles liebe. Irgendwann weinte ich nicht mehr, aber ich lag noch immer in seinen Armen – und ich genoss es. Ich spürte seinen Herzschlag. Das war alles so beruhigend. „Magst du mir jetzt sagen was los is?“ flüsterte Jack. „Es ist Kyle...er ritzt, weil wir zusammen sind, weil er mich liebt, aber er sagte, dass er uns das gönnt...es ist meine Schuld...und dann habe ich ihn angeschrien, dass er kein Recht dazu hat zu ritzen, weil seine Gründe total sinnlos sind...“ meinte ich. Wären noch Tränen übrig gewesen, hätte ich jetzt bestimmt wieder geweint, aber ich starrte nur auf Jacks Hose. „Oh man...“ murmelte Jack. „Ich bin mir sicher, das wird schon wieder... Alles wird wieder gut. Aber jetzt machen wir uns erstmal einen schönen Tag bei dir, jetzt wo wir schon mal allein sind.“ Sagte Jack und grinste. Ich sah zu ihm auf. Jetzt musste ich auch grinsen. „Geht doch, das Lächeln hast du auf jeden Fall nicht verlernt.“ Sagte Jack lächelnd. Ich sah in seine wundervoll braunen Augen. Darin könnte ich mich ewig verlieren. Ich bemerkte, dass wir uns noch nicht geküsst hatten. Seine Lippen sahen weich aus. „Was ist?“ fragte Jack. „Ich bemerke nur, wie wundervoll du bist und wie wunderschön...“ meinte ich. Jack lächelte. Einfach nur zum dahinschmelzen. Dann kamen unsere Gesichter sich näher und näher. Ich schloss die Augen und dann...

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