Montag, 12. Mai 2014

Olivia Story - Kapitel 9


Wir hatten nicht mehr geschlafen. Jetzt waren wir grade auf dem Weg uns mit den anderen am Baggerloch zu treffen. Wir wollten wieder den ganzen Tag hier bleiben. Alex, Maria und ich waren die letzten, die ankamen. Jack umarmte mich erstmal lange. Ich war froh ihn umarmen zu können. Ich hatte ihn in den letzten beiden Tagen ganz schön vermisst. Ich brauche ihn irgendwie in der letzten Zeit ziemlich viel. Kann ja aber nicht schaden, wenn man ein gutes Verhältnis zu seinen Geschwistern zu haben. Danach mussten alle erstmal meinen Gips betrachten. Wir machten noch ein paar Fotos, auch wenn ich meinen Gips hatte, ich kann das Leben ja trotzdem genießen. Nur darf ich nicht rumschreien oder einen Lachflash bekommen, da das nicht gut für die Heilung meiner Nase wäre. Aber alles im allen verbrachten wir einen schönen Tag miteinander. Wir hatten Sandwiches, Tee, Cola, Chips und Gummibären dabei. Wir redeten eigentlich den ganzen Tag und hatten super viel Spaß. Das Essen und Trinken war schon nach dem halben Tag weg. Abends war ich total müde, aber ich zwang mich selbst dazu erst im Bett zu schlafen. Jedoch war ich anfangs noch ein wenig verhindert, denn Alex und ich knutschten noch ein wenig rum. Natürlich ganz vorsichtig, damit meine Nase nicht noch mehr beschädigt wird. Glücklicherweise war das Licht aus, denn ohne meine Brille sehe ich eh nicht viel. Aber schließlich war ich doch so müde, dass wir schlafen gingen.
Ich würde nur noch Morgen bei Alex schlafen, danach ‘ziehe ich wieder zu Hause ein‘.
Am nächsten Morgen war ich trotzdem Hundemüde. Ich hatte überhaupt keinen Bock auf Schule und saß nur lustlos auf meinem Platz. Die Lehrer sprachen mich nur darauf an und fragten mich, ob alles mit mir Ok sei. Ich musste denen dann beibringen, dass ich EINFACH NUR MÜDE WAR. Ich hatte keine Nerven für sowas.
Dann waren wir wieder zu Hause. Maria brachte das Fass schließlich zum Überlaufen. „Und, was ist mit Alex und  dir?“ fragte sie grinsend. „Was meinst du?“ fragte ich stöhnend. „Naja du weißt schon, ist schon was gelaufen?“ fragte sie. Jetzt platzte mir der Kragen. „MARIA, WENN IRGENDETWAS PASSIERT WÄRE, WÄRST DU DIE ERSTE, DER ICH ES ERZÄHLEN WÜRDE! HÖR ENDLICH AUF MICH DAMIT ZU NERVEN! ICH KANN NICHT MEHR! LASS MICH EINFACH IN RUHE! ICH KANN ES EINFACH NICHT MEHR HÖREN. JEDEN TAG FRAGST DU MICH DANACH! LASS-ES-SEIN!“ Ich bekam schon Kopfschmerzen. Sie sah mich an. Dann ging sie einfach aus dem Raum. Ich stöhnte. „Maria, warte...!“ rief ich ihr hinterher, aber sie ging weiter. „Na super...“ murmelte ich. In diesem Moment kam Alex rein. „Was ist los?“ fragte er. „Ach Maria ist los... sie nervt mich einfach jeden Tag mit ein und demselben Thema. Jetzt ist mir der Kragen geplatzt und sie ist abgehauen...“ meinte ich und drehte mich weg. Ich ging zum Bett und setzte mich drauf. „Um was geht es denn?“ fragte Alex weiter. „Naja...sie will immer wissen, ob wir schon...naja du weißt schon...Sex gehabt haben.“ Meinte ich. Ich hörte ein „Oh...“ aus Alex‘ Richtung. „Naja und was hast du ihr gesagt?“ „Natürlich, dass wir noch nicht miteinander geschlafen haben, aber sie nervt mich jetzt echt schon seit Wochen damit und ich kann nicht mehr, das bereitet mir schon Kopfschmerzen...“ meinte ich. Alex setzte sich neben mich. „Und jetzt hast du sie angeschrien und sie ist abgehauen?“ Ich nickte. Er umarmte mich. „Keine Sorge, das wird schon wieder. Soll ich vielleicht mal mit ihr reden?“ fragte er aufmunternd. Ich schüttelte den Kopf. „Nein, das kommt hilflos rüber...“ meinte ich. „Ok, dann rede ich eben von mir aus mit ihr. Mir passt es auch nicht, dass sie immer alles wissen will...“ schlug Alex vor. „Ich kann dich davon wahrscheinlich nicht abhalten...aber jetzt nicht. Mach es Morgen, wenn ich wieder weg bin.“ Bat ich ihn. Er nickte. „Ok.“ Sagte er noch. Dann machten wir erst mal Hausaufgaben. Schließlich knutschten wir noch rum, bis es Zeit war, schlafen zu gehen. Ich war noch immer total müde.
Dienstagmorgen war nicht besser als der Tag zuvor. Ich hatte GAR KEINE Lust auf Schule. Nach der Schule fuhr ich zu Alex um meine Sachen zu holen und fuhr dann nach einem Abschiedskuss nach Hause. Mama redete kaum, aber wie ich es von Jack erfahren hatte, hatte sie in den letzten Tagen generell nicht viel geredet.
Ich ging nach oben. Hayley kam grade von der Toilette wieder. Als sie mich sah, blieb sie stehen und sah mich an. „Hey Hayley, ich...“ setzte ich an und ging auf sie zu. Sie wich einen Schritt zurück. „Geh!“ meinte sie. Ich stockte. „Bitte was?“ fragte ich. Ich war mir nicht sicher, ob sie das grade ernsthaft gesagt hatte. „Ich hab gesagt geh! Lass mich! Du hast gelogen!“ rief sie. Ich wusste nicht was sie meinte. „Hayley, wovon redest du? Was habe ich dir getan?“ hakte ich nach. „Du hast gesagt, dass alles wieder gut wird! Aber jetzt lassen sie sich scheiden! Du hast mich angelogen! Und dann bist du auch noch abgehauen. Nicht mal gestern konntest du anrufen, um mir zum Geburtstag zu gratulieren!“ sagte sie unter Tränen.
VERDAMMT! Wie konnte ich das denn bitte vergessen?! Aber das mit Mama und Papa konnte ich ja nicht ahnen...Ok, ich hatte ja das Gefühl, aber hätte ich es ihr denn sagen sollen? Das wäre auch nicht gut angekommen. Sowas erzählt man doch keiner drei Jährigen...vier Jährigen. „Hayley, das tut mir leid, ich hatte nur so viel Stress in letzter Zeit und das mit Mama und Papa konnte ich doch nicht wissen. Ich kann doch nicht Hellsehen.“ Versuchte ich sie zu beruhigen, aber sie rannte in ihr Zimmer. Ich blieb fassungslos stehen. Dann stöhnte ich und fasste mir an den Kopf. Ich hatte schon wieder Kopfschmerzen. Ich war auch viel zu kaputt um zu heulen. Jack kam die Treppe hoch. „Alles ok?“ fragte er. Ich konnte nur erneut stöhnen. Ich setzte mich an Ort und Stelle auf den Boden und schaute auf selbigen. Jack setzte sich neben mich auf den Boden. Ich spürte, dass er mich ansah. „Hayley sagt, ich hätte sie mit Mama und Papa angelogen. Ich konnte das doch nicht wissen!“ sagte ich verzweifelt. „Und dann habe ich ihr nicht mal zum Geburtstag gratuliert...“ fügte ich hinzu. „Ist doch verständlich. Du hattest doch genug um die Ohren...um die Nase...“ sagte Jack. Ich knuffte ihn lächelnd. Auch er lachte ein wenig. „Du konntest das mit Mama und Papa nicht wissen. Ich mein...klar haben wir alle daran gedacht. Aber du konntest ihr das ja ganz schlecht erzählen.“ Versuchte Jack mein schlechtes Gewissen zu beruhigen. Ich lehnte mich an ihn. Er legte einen Arm um mich. Schließlich gingen wir aber doch in Jacks Zimmer, denn da war es eindeutig bequemer als auf dem Boden. Von Jason hatte ich noch gar nichts mitbekommen. Aubrey hatte ich schon gesehen, aber Jason noch nicht. Keine Ahnung was los war, aber ich kann mir denken, dass er kaputt ist, war ich schließlich auch. Ein Glück ist Morgen der letzte Schultag, dann haben wir zweieinhalb Wochen Herbstferien.
Nachdem der Mittwoch zu Ende war, war ich auch am Ende. Ich war so Müde und so Kaputt. Ich schlief nach der Schule erstmal zwei Stunden. Die Ferien verbrachte ich größtenteils mit Jack oder Alex. Maria und ich vertrugen uns erst wieder gegen Ende der Ferien. Jetzt musste ich nur noch bis zum 23. Dezember durchhalten. Dann ist Weihnachten und auch wieder Ferien. In der Zeit war ich öfters mal Krank.
Anfang Dezember machte ich wie ein kleines Kind, meinen Adventskalender auf. In meinem Zimmer hatte ich auch einen Adventskranz. Viele Nachmittage verbrachte ich bei Kerzenschein und Weihnachtsmusik in meinem Zimmer und träumte vor mich hin. Ich spielte auch seit langem mal wieder Gitarre und Keyboard. Hayley hatte mir glaube ich wieder verziehen. Ich besorgte für alle Geschenke und schrieb meinen Wunschzettel. Ich wünschte mir größtenteils Geld, aber auch eine Playstation. Dann könnte ich endlich auch mal zocken, ohne dass ich Jack fragen müsste.
Seit Anfang November hatte ich mit dem Gedanken gespielt mir meine Haare abschneiden zu lassen. Kurze Haare und Blond. Ich weiß, ziemlich gewagt und außerdem habe ich taillenlange Haare, aber trotzdem. Ich war mir auch noch nicht sicher.

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