Montag, 5. Mai 2014

Olivia Story - Kapitel 6



Am nächsten Morgen schliefen wir ewig. Nachdem wir gefrühstückt hatten, fuhr ich wieder nach Hause. Maria hatte mir außerdem noch den Stoff von gestern, was sie in der Schule durchgenommen haben gegeben, also musste ich noch was nachholen. Jack musste mir wieder bei Mathe helfen. Und Mama war die ganze Zeit so still. „Hey, weißt du was mit Mama los ist?“ fragte ich Jack. „Oh, du weißt gar nicht was gestern hier los war, als du weg warst. Mama und Papa hatten einen riesen Streit. Keine Ahnung warum. Auf jeden Fall haben sie sich stundenlang angeschrien. Hayley und Aubrey haben auch angefangen zu weinen, dann hat jeder dem anderen die Schuld gegeben, dass die kleinen angefangen haben zu weinen und dann ging alles noch mal von vorne los. Ich bin dann mit Jaden, Hayley und Aubrey nach draußen gegangen, damit sie sich das nicht anhören müssen. Als wir wieder da waren, hat Mama uns angeschrien, warum wir einfach weggegangen sind, ohne bescheid zu sagen, ich musste ihr dann erklären, dass es nicht möglich war bescheid zu sagen und dann haben sich Mama und Papa wieder gestritten und Hayley und Aubrey habe ich dann einfach zu mir mit ins Zimmer genommen und wir haben Fernsehen geguckt.“ Berichtete Jack mir. „Wow krass...“ meinte ich. „Wollen wir vielleicht was zocken? Wir hatten schon lange keine Bruder-Schwester Zeit mehr zusammen...zumindest keine richtige.“ Meinte ich. „Ja klar. Was wollen wir zocken?“ fragte Jack. „Hast du InFamous Second Son schon angefangen?“ „Nein, wollen wir das zocken?“ „Klar.“ Meinte ich und wir zockten. Nachdem der erste Teil ja nicht so geil gewesen war, ist der zweite jetzt richtig geil. Wir spielten immer abwechselnd. Aufeinmal hörten wir etwas klirren. Als ob jemand Geschirr auf den Boden geworfen hat. Kurz darauf noch mal und noch mal. Wir pausierten das Spiel und gingen in den Flur um vielleicht herausfinden zu können, was grade los war. Mama und Papa schrien sich wieder an. Ich bekam aber nur einige Sätze mit. „Oh nein, gib mir jetzt nicht wieder die Schuld daran.“ Oder „Dann hau doch ab, ich habe genug von dir.“ Oder „Ok, dann kannst du ja gehen...“ aber den Zusammenhang verstand ich nicht. „Na super, das ging gestern den ganzen Nachmittag und Abend so...“ murmelte Jack. Es klirrte wieder. „Jetzt hör damit auf!“ schrie Dad. Ich hatte sie eigentlich noch nie streiten gehört. „Hindere mich doch dran!“ rief Mama. „Ok, ich glaube wir sollten sie nicht belauschen...“ meinte ich  und stand aus meiner Hocke wieder auf. „Wahrscheinlich hast du recht...“ meinte Jack  und stand ebenfalls wieder auf. Hayley kam aus dem Zimmer. „Streiten sie sich wieder?“ fragte sie. Jack nickte...und Hayley fing an zu weinen. „Hey nicht weinen...“ meinte ich und kniete mich neben sie. Ich hörte Schritte unten. „Hayley?“ rief Mama. „Alles gut.“ Rief ich zurück und schob Hayley zurück is Zimmer. Wir gingen beide mit rein. Aubrey saß auf ihrem Bett und hielt sich die Ohren zu. „Das wird schon wieder. Ich bin mir sicher, sie vertragen sich bald wieder und dann ist alles wieder gut. Erwachsene müssen sich auch ab und zu mal so richtig streiten, damit alles geklärt ist.“ Versuchte ich Hayley zu beruhigen. „Aber Mama macht unser Geschirr kaputt...“ heulte Hayley weiter. „Ja, das muss auch mal sein. Ich kann mich nicht erinnern, dass sie sich jemals gestritten haben, von daher muss sich da ganz schön was angesammelt haben und das lassen sie dann einfach raus. Alles wird wieder gut.“ Sagte ich. Hayley heulte weiter. Ich umarmte sie. Irgendwann hörte sie auf zu weinen. Jack hatte die ganze zeit nur daneben gestanden. Ihm war auch nicht gut bei der Sache.
Natürlich könnte man es so sehen, wie ich gesagt habe, dass sie sich einfach noch nie richtig gestritten haben und jetzt alles rauslassen, aber man kann es auch so sehen, dass sie sich bisher nie gestritten haben, weil es nicht nötig war und wenn sie sich jetzt streiten, es schon was ernstes seien muss. Ich hatte ein mulmiges Gefühl im Magen. Hayley war die jüngste und sollte eigentlich noch nicht viel darüber wissen. Aubrey ist für ihre sieben Jahre schon ganz klug, aber auch sie sollte nicht viel darüber wissen. Jaden will darüber nichts wissen und Jack und ich wissen eigentlich eine Menge. Jack hatte mal eine Freundin mit der er eineinhalb Jahre zusammen war. Davor und danach hatte er diverse andere Freundinnen, aber das hielt immer nicht länger als zwei Monate. Trotzdem wusste er was über die Liebe, er ist schließlich schon siebzehn. Ich wusste natürlich auch was, schließlich war ich mit Alex schon ein Jahr zusammen und vorher hatte ich zwei Monate lang einen Freund. „Können wir wieder raus gehen?“ fragte Hayley. Ich sah zu Jack. „Ich glaube, dass ist nicht so eine gute Idee, du hast ja gesehen wie Mama gestern reagiert hat, als wir wieder da waren.“ Sagte Jack zu Hayley. „Wir könnten doch in den Garten gehen.“ Schlug ich vor. „Ja, aber das ist da doch langweilig.“ Meinte Jack. „Da hast du auch wieder recht...“ gab ich zu. „Ok, dann gehen wir jetzt eben zu Jack. Aubrey?“ Aubrey sah auf. „Kannst du dich hier alleine beschäftigen? Musik hören, oder DS spielen mit Kopfhörern?“ fragte ich. Sie nickte. „Ok, dann auf gehts.“ Meinte ich und nahm Hayley auf den Arm. Ich trug sie in Jacks Zimmer. Jack hatte ein paar CDs aus ihrem Zimmer mitgenommen. Irgendeine von diesen Super RTL-Toggo Bands. Ihr wisst schon was ich meine. Jeder wächst mit sowas auf. Banaroo glaube ich. Jack tat eine in seinen Computer, schloss seine Boxen an und machte die CD an. „Was zockt ihr da?“ fragte Hayley. „Nichts für dreijährige Kinder.“ Meinte ich. „Ach komm schon, da ist doch nichts schlimmes. Man sieht nur, dass wir schießen und dann die Leute umfallen, mehr sieht man doch nicht.“ Meinte Jack. „Naja, ich will eigentlich schon weiterzocken...“ überlegte ich. „Naja, egal, was soll’s.“ Meinte ich und wir zockten weiter. Hayley schaute aufmerksam zu. Auch wenn ich mir sicher war, dass das nichts für ihre Augen war, Jack hatte ja Recht, man sieht ja nicht sonderlich viel.
Ein Monat war nun vergangen und wir hatten also Anfang Oktober. Wie ich es mir gedacht hatte, wurde es mit Mama und Papa nicht besser. Ich verbrachte die meiste Zeit bei Maria und Alex oder generell mit meinen Freunden. Nur Hauptsache nicht zu Hause. Ich war praktisch nur zum Essen und Schlafen da.
Und Jack hatte übrigens eine neue Freundin Jenna. Aber ich glaube nicht, dass es lange hält. Natürlich kann ich mich auch irren.
Heute war ein Tag, an dem ich mich entschied zu Hause zu bleiben, denn ich hatte schon eine dicke Erkältung. Ich sah auf meinem Bett, trank Tee und schaute Videos. Unten wurde schon wieder lautstark gestritten.
Aufeinmal knallte die Haustür und es war schlagartig ruhig. Ich pausierte das Video und ging in den Flur. Jack öffnete auch grade die Tür. „Kommt ihr bitte alle mal nach unten?“ rief Mama. Wir holten die anderen und gingen nach unten. Mama war ganz rot im Gesicht. „Ihr habt ja sicherlich mitbekommen, was in den letzten Wochen hier passiert ist.“ Sagte Mama. Wir nickten. „Und naja, natürlich kann das nicht so weitergehen. Papa und ich...wir...“. Ich wusste was jetzt kommen würde. Aber ich betete, dass sie es nicht sagte. „Wir lassen uns scheiden.“ Sie hatte es also doch gesagt. Ich drehte mich um und rannte nach oben. Ich riss meine Reisetasche aus meinem Schrank, schmiss ein paar Sachen rein und nahm noch eine andere Tasche, wo ich meine Schulsachen, Privates Zeug und Beauty Zeug reintat. Jack kam zu mir. „Was machst du da?“ fragte er. „Ich muss hier für ein paar Tage weg...“ meinte ich und zog den Reißverschluss zu. „Wohin denn?!“ „Zu Alex und Maria, wenn Mama fragt, dann sag ihr einfach, dass...ach ist mir egal, Hauptsache nicht die Wahrheit.“ Meinte ich. Ich griff meinen Schlüssel, zog mir eine Jacke und meine schuhe an und nahm die Taschen. „Bist du sicher, dass du alles hast?“ rief Jack mir hinterher, als ich aus meinem Zimmer ging. „Ja, ich denke schon.“ Meinte ich. Ich wollte so schnell weg möglich weg hier. „Olivia, was hast du vor?“ fragte Mama, die aus dem Wohnzimmer kam. „Ich...ich gehe für ein paar Tage weg...“ sagte ich und versuchte sie abzuwimmeln. Sie hielt mich am Arm. „Olivia...!“ Ich riss mich los. „Lass mich, ich komme schließlich wieder.“ Sagte ich, riss die Tür auf und stürzte raus. So schnell ich konnte rannte ich zu meinem Fahrrad, schmiss die Taschen drauf und radelte los. „Olivia!“ rief mir meine Mutter hinterher. Ich sah die Straße kaum, denn ich hatte angefangen zu weinen. Irgendwann kam ich dann bei Alex und Maria an. Ich klingelte. Alex öffnete. Als er mich Tränenüberströmt sah, konnte ich ihm den Schock regelrecht ansehen. Ich ließ meine Taschen fallen und fiel ihm um den Hals. „Hey, was ist denn passiert?“ fragte er und umarmte mich. Jetzt fühlte ich mich geschützt. „Ich musste von zu Hause weg. Ich halte es nicht mehr aus. Meine Eltern lassen sich scheiden!“ schluchzte ich. „Oh Gott...“ brachte Alex nur heraus. „Hey, was ist denn hier los...oh Gott, Olivia!“ Maria stürzte die Treppe runter. Ich weinte einfach Hemmungslos.
Mädchen weinen nicht wegen einer Sache, sondern sie weinen, wenn sich zu viele Sachen angestaut haben, was bei mir eindeutig der Fall war. Fast jeden Tag hatten sich meine Eltern gestritten und jetzt das. Das war alles zu viel für mich. „Nimmst du ihrer Tasche?“ fragte Alex Maria. Sie nahm meine Tasche und schloss die Tür. Ihre Mutter Jenny kam aus der Küche um zu sehen was los war. „Olivia, was machst du denn hier? Was ist den los?“ fragte sie geschockt. Aufeinmal klingelte mein Handy. Ich löste mich von Alex und zog es aus der Tasche. „Es ist meine Mutter...“ schluchzte ich und drückte den Anruf weg. „Ok, komm erstmal ins Wohnzimmer und dann erzählst du in Ruhe, was passiert ist, ok?“ fragte Jenny lieb. Ich nickte. „Möchtest du einen Tee?“ fragte sie. „Ja, bitte.“ Antwortete ich und lies mich von Alex ins Wohnzimmer schieben. Ich setzte mich auf die Couch und Maria reichte mir Taschentücher. Ich putze mir die Nase und wischte die Tränen weg. Nach kurzer Zeit kam Jenny mit meinem Tee. „Danke...“ meinte ich und wärmte mir die Hände. Draußen war es irgendwie schon verdammt kalt. Ich zog mir trotzdem die Jacke aus, so eine Lederjacke ist nicht so bequem und wärmt auch nicht sonderlich. „Ok und jetzt erzähl uns ganz ruhig was passiert ist. Ich nickte und schluckte nochmal. Dann erzählte ich alles. „Also meine Eltern...sie streiten sich schon seit Wochen ununterbrochen und meine kleinen Schwestern weinen dann auch immer und wir müssen sie trösten, aber ich hatte niemanden. Natürlich  haben immer alle versucht mich aufzumuntern aber trotzdem...und jetzt hat mein Vater total überstürzt das Haus verlassen und meine Mutter hat uns gesagt, dass sie sich scheiden lassen.“ Ich konnte die Tränen nicht zurückhalten. Alex zog mich an sich und drückte mich. Irgendwie war es schon beruhigend. „Oh man...Du arme. Weiß deine Mutter wo du bist?“ fragte sie. „Nein. Jack weiß es. Aber ich hab ihm verboten es Mama zu sagen. Ich bin mir aber sicher, dass sie weiß, wo ich bin.“ Meinte ich. Und wie aufs Stichwort klingelte es an der Tür. „Das ist sie bestimmt.“ Meinte ich. „Ok, ihr drei geht jetzt nach oben und schließt euch in Alex Zimmer ein. Ich versuche mit deiner Mutter zu reden. Du kannst natürlich die nächsten Tage hierbleiben. Keine Sorge, ich bekomme das schon hin. Und egal was, ihr macht die Tür erst wieder auf, wenn ich es euch sage.“ Sagte Jenny. Wir nickten, nahmen meine Taschen und rannten in Alex‘ Zimmer. Wie Jenny es gesagt hatte, schlossen wir uns ein. Mama klingelte Sturm und klopfte. Jenny öffnete. Mama schrie rum, aber Jenny blieb ruhig. Mama stürmte an ihr vorbei die Treppe hoch. „Cassadee!“ rief Jenny Mama hinterher, aber Mama reagierte nicht. Sie drückte die Türklinke runter. Dann klopfte sie lautstark, da die Tür ja abgeschlossen war. „Olivia?“ Mach auf, ich weiß, dass du da drinnen bist! OLIVIA!“ Ich hielt mir die Hand vor den Mund, damit sie mich nicht hörte, damit sie nicht hörte, wie verzweifelt ich bin. Alex schlang schützend seine Hände um mich. Mama klopfte und rief, aber wir reagierten nicht. „Olivia, bitte, ich will heute nicht noch jemanden verlieren...bitte...“ sie war ganz verzweifelt und heulte. Ich schüttelte die ganze Zeit den Kopf, auch wenn sie mich nicht sehen konnte. „Schhhh... Ich bin da und sie kann nicht hier rein. Ales ist gut.“ Flüsterte Alex und strich mir über die Haare. „Ok...dann nicht...“ hörte ich Mama leise sagen und sie verschwand. Die Haustür fiel ins Schloss und Jenny kam nach oben. „Ihr könnt wieder aufmachen, sie ist weg.“ Sagte Jenny. Maria öffnete die Tür. „Ich glaube, wir lassen sie jetzt erstmal alleine, Alex kann sie besser beruhigen...“ sagte Maria und schloss die Tür hinter sich.

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