„Erzählt ihm ja nichts!“ sagte ich
nachdrucksvoll, als wir in die Klasse gingen. Alle nickten. Ich konnte mir
vorstellen, dass Danny es ihm nur zu gern gesagt hätte. Hier im Physikraum roch
es wie immer. „Einfach grausam...“ murmelte ich. „Was?“ fragte Jack. „Der
Geruch hier. Einfach nur grausam.“ Erklärte ich mit einem Lächeln. Jack nickte.
Er ist einfach zum dahin schmelzen. Sein schiefes grinsen... einfach nur Wow...
Nach zwei langweiligen Stunden Physik hatten wir Sport. Momentan machen wir Volleyball und ich bin auch ziemlich gut darin.
Jetzt stand ich in der letzten Reihe und baggerte den Ball rüber. Meine Arme waren schon knallrot. Doch dann war ich einen Moment unaufmerksam. Taylor schmetterte den Ball zurück und ich bekam ihn mitten ins Gesicht; mit voller Wucht. Das war natürlich nicht ihre Absicht. Ich fiel auf den Boden und meine Nase fing an zu Bluten. Meinen Piercings ging es aber gut. Zumindest spürte ich nichts Ungewöhnliches. Ich hörte wie Cassy aufschrie und Ms. Walters abpfiff. Danny, Kyle, Cassy und Jack kamen angerannt. Jack war als erstes da. Er kniete sich neben mich. „Alle ok? Geht es dir gut?“ fragte er besorgt. Ich nickte und fasste an meine Nase. Sofort war meine Hand voller Blut. Danny und Jack halfen mir auf. Ms. Walters kam zu mir. „Alles ok? Tut sie sehr weh?“ Fragte sie und drückte darauf rum. „Alles ok, sie tut nicht allzu Doll weh.“ Meinte ich. „Oh Gott, Alexa, dass tut mir ja so leid! Oh Gott... Entschuldigung, Entschuldigung!“ rief sie. „Schon Gut.“ Beruhigte ich sie und schenkte ihr ein erzwungenes lächeln. „Alexandra, such dir jemanden aus, der dich begleitet und komm mit, ich kümmere mich um dich. Ich suchte mir wahllos jemanden aus. Zumindest ließ ich es so aussehen. Mir war natürlich klar, dass ich Jack nehmen würde. Ich ließ es aber ziemlich willkürlich aussehen. So auf die Art ‘Ist mir Momentan egal, bitte es kommt nur jemand mit...‘. Also gingen wir in die Lehrer umkleide. Ich bekam einen Stapel Taschentücher und Ms. Walters ging los um ein Kühlpack zu holen. Jack und ich saßen auf der Krankenliege. Mein Kopf hing nach unten und ich hielt mir ein Taschentuch von die Nase. „Ich muss schlimm aussehen...“ meinte ich und lachte leicht. „Ach, naja ich habe schon schlimmeres gesehen.“ Sagte Jack aufmunternd und lachte auch. Ms. Walters kam wieder und legte mir das Kühlpack in den Nacken. „Wenn es wieder aufhört, bis die Stunde vorbei ist, kommt einfach zu mir, ich sehe mir das dann an, ansonsten wartet einfach hier auf mich. Ok?“ Wir nickten. Sie lächelte und ging wieder. Wir blieben eine Weile sitzen und unterhielten uns. Ich hatte das Kühlpack weggelegt, es war eh schon kalt und meinen Kopf hielt ich auch wieder normal. „Weißt du, ich habe mir mal als ich 12 war die Nase gebrochen, weil ich schnell gegen eine Beton Säule gelaufen bin. Irgendwas scheint nicht vernünftig verwachsen zu sein, weil ich jetzt hier einen Huckel auf der Nase habe und immer, wie es meine Mutter nennt, ‘schnorchel‘ wenn ich schlafe, also nichts anderes, als das ich schnarche.“ Sagte Jack und lachte über sich selbst. Auch ich musste lachen. Das war einfach nur zu lustig. „Danke fürs aufmuntern.“ Meinte ich, noch leicht lächelnd. „Keine Problem, ich mag es einfach nicht wenn jemand traurig ist.“ Sagte er mit seinem grinsen. „Vor allem...wenn hübsche nette Mädchen traurig sind.“ Fügte er hinzu. Sein lächeln war weg. Alles prickelte in mir. Und da waren die Schmetterlinge. Wir sahen uns eine Weile in die Augen. Dann sah ich verlegen weg. Ich hörte, wie Jack leise lachte. Ich nahm das Taschentuch weg, weil ich ein neues brauchte und warf das alte in den Mülleimer. Jedoch brauchte ich kein neues, das Bluten hatte aufgehört. Ich ging ins Badezimmer und versuchte das Blut wegzuwischen. Dann klingelte es auch schon. Nach einiger Zeit kam Ms. Walters. Sie guckte sich meine Nase an, ein leichter Blauer Fleck war zu sehen, mehr nicht. Es war aber nichts gebrochen, wie es schien. Dann ging ich in die Mädchenkabine um mich umzuziehen. Die anderen Mädchen waren schon weg. Ich beeilte mich mit umziehen und Haare machen, damit ich den blauen Fleck überschminken kann. Jack wartete vor der Halle auf mich. „Danke, dass du wartest.“ Meinte ich. „Ist doch klar.“ Gabe er grinsend zurück. Wir brachten unsere Taschen weg und suchten die anderen. Danny nahm mich sofort in den Arm. „Oh Gott, geht es dir gut?“ fragte er besorgt. Ich nickte und erwiderte die Umarmung dankbar. Sowas hatte ich jetzt gebraucht.
Noch eine Stunde Englisch dann eine Französisch. Irgendwie überlebte ich die beiden Stunden.
Gleich nach der Schule hatten wir Bandprobe. Jacks Mutter brachte ihm seine Gitarre, sein Mikro und den Ständer.
Jetzt fuhr uns Sylvia zu ihnen nach Hause. Danny, Kyle, Jack und ich hatten uns hinten ins Auto gequetscht und Cassy saß vorne. Lindsay war heute gar nicht in der Schule. Angeblich wegen Grippe, keine Ahnung ob das auch wirklich stimmte.
Als wir da waren gab es erstmal Essen. Spaghetti mit Tomatensoße. Danach musste Jack uns von seinen Gitarrenkünsten überzeugen. Ich hatte ja wirklich mit viel gerechnet, aber dass es DERMASSEN gut ist, hätte ich nicht erwartet. Wir standen alle fassungslos vor ihm. Er grinste zufrieden. Ich fing an zu klatschen. Die anderen folgten meinem Beispiel. „Ok, ich denke das war überzeugend genug.“ Sagte ich, noch immer total begeistert. Jack nahm die Gitarre ab. „Also, habe ich mich qualifiziert?“ fragte er lachend. Wir lachten alle. „Ich denke schon“ meinte Cassy. Alle nickten. Dann arbeiteten wir aus, wer nun was in den Songs Spielte. Die Lieder von All Time Low konnte Jack schon, unsere logischerweise nicht. Am Ende des Tages war das aber auch alles geklärt. Alles lief super. Jack kann sogar singen. Also hatten wir schon mal noch einen Background Sänger. Obwohl ich mir nicht sicher war, ob man so ein Talent in den Background rücken sollte, aber naja, wir werden sehen. Jack fuhr noch mit zu uns, weil seine Mutter noch arbeiten musste. Wir hatten nämlich früher mit der Probe aufgehört, als geplant. Jetzt hatten wir noch ca. 40 Minuten zusammen. Ich erzählte Dad erstmal was heute in der Schule passiert ist. Dann gingen wir hoch in mein Zimmer. Also wir drei. Jack sah sich um. „Wow, du hast ja schon ganz schön was erlebt.“ Er deutete auf die Fotos. Ich lächelte und nickte. „Und naja... du ganz schön viele Poster von Vic.“ Sagte er leicht lachend. „Ja...er hat mir halt das Leben gerettet...“ meinte ich leicht verlegen, weil mir die ganzen Poster jetzt irgendwie dumm vor, so kindisch. „Wie? Was meinst du?“ fragte er. In dem Moment rief Dad Danny. Er verschwand. Ich senkte meinen Blick. „Also?“ fragte Jack erneut. Ich hielt ihm meinen Arm hin und hob meinen Kopf wieder. Es stiegen Tränen in mir auf. Warum jetzt? Bitte nicht! Jack sah mich erschrocken an. Ein Teil meines Arms war auch noch mit den Festivalbändchen verdeckt. Da sah es am schlimmsten aus. Und die lange, tiefe Narbe von meinem Selbstmordversuch war auch noch zu gut zu sehen. Ich schob die Bändchen weiter nach oben, sodass er auch die Narbe sehen konnte. Seine Augen weiteten sich etwas mehr. Da passierte es. Die Tränen liefen meine Wange entlang. „Das meine ich.“ Sagte ich erstickt. „Er hat mir da rausgeholfen. Mit seiner Musik, seinem da sein.“ Fügte ich hinzu. Meine Kehle brannte. Jack nahm meinen Arm und strich über die Narben. Ich wischte meine Tränen weg. „Das ist dumm...“ murmelte ich und lächelte gequält. Jack sah mich an. „Ok...“ murmelte er und seufzte. „Aber du warst in Therapie oder?“ fragte er. „Ja, ein halbes Jahr lang. Vor ziemlich genau einem Jahr fing meine Therapie an.“ Meinte ich und zog meinen Arm zurück. „Aber warum? Wieso hast du angefangen?“ fragte er. Es war fast nur ein flüstern. „Ich...Mobbing...Meine Eltern haben sich die ganze Zeit gestritten, dabei war meine Mutter schwanger, mit meinen beiden kleinen Brüdern. Meine kleine Schwester hat auch die ganze Zeit deswegen geweint... Meine Oma ist gestorben...Alles kam auf einmal... Ich sah keinen Ausweg...aber ich weiß es jetzt besser. Alles ist besser als ritzen und so... Vic hat es mir beigebracht. Genauso wie Oli, Austin, Kellin, Mike und Chester.“ Meine Stimme wurde immer sicherer. „Musik hat mir einen Ausweg gewiesen. Danny und ich haben mit der Musik angefangen. Ich bin mir sicher, ohne Musik würde es ihm sehr viel schlechter als jetzt gehen.“ Fügte ich hinzu. „Wie? Danny auch?“ fragte er. Ich nickte. „Ja, aber erst seit ca. 1 ½ Jahren. Ich versuche ihn noch dazu zu kriegen, dass er in Therapie geht...vor allem wegen der...“ ich stockte. „Wegen was?“ ich überlegte kurz was ich sagen wollte. „Ich kann dir das nicht sagen, das wäre nicht richtig, wenn dann muss dir Danny das selber erzählen.“ Sagte ich. Jack nickte. Er sah mich noch kurz an und lehnte sich dann zurück. Ich zog meine Ärmel runter. Aufeinmal hörten wir ein rumpeln und einen Aufschrei. Es hörte sich nach Danny an. Ich sprang auf und rannte aus dem Raum. Jack folgte mir, das hörte man. „Danny?!“ rief ich. Danny saß unten an der Treppe und hielt sich den Fuß. An seinem Arm lief etwas Blut runter. Ich hastete die Treppe runter. Dad kam auch und Jack folgte mir. „Danny, geht es dir gut?“ fragte Dad. Ich hockte mich neben Danny. Er hatte seine Augen zusammengepresst. Er nickte trotzdem. Jack hatte ein paar Taschentücher geholt und gab sie mir, damit ich das Blut wegwischen konnte. Danny hatte am Arm eine Platzwunde. „Kannst du den Fuß bewegen?“ fragte Dad. Danny versuchte es, schüttelte dann aber den Kopf. „Ich rufe einen Krankenwagen, ihr bleibt hier.“ Sagte Dad. Also warteten wir bis der Krankenwagen kommt. „Soll ich meine Mutter anrufen, dass sie mich später abholt? Dann kann ich mit euch ins Krankenhaus.“ Fragte Jack. Ich nickte und rannte die Treppe hoch um meine Tasche und mein Handy zu holen. Dann rannte ich wieder nach unten. Jack legte grade auf. „Ok, ich soll sie anrufen, wenn wir fertig sind, sie holt mich dann ab.“ Sagte er zu mir. Ich nickte und dann gingen wir zu Dad und stiegen ins Auto. Eigentlich sitze ich immer vorne, aber ich wollte lieber hinten mit Jack sitzen. Ich wusste sowieso nicht was geschieht. Ich bewegte mich nur, bzw. ich spürte, dass ich mich bewege. Meine Hand griff Jacks Hand. Mein Verstand wollte das gar nicht, aber mein Gehirn machte es einfach. Er drückte sie. Das munterte mich ein bisschen auf.
Nach zwei langweiligen Stunden Physik hatten wir Sport. Momentan machen wir Volleyball und ich bin auch ziemlich gut darin.
Jetzt stand ich in der letzten Reihe und baggerte den Ball rüber. Meine Arme waren schon knallrot. Doch dann war ich einen Moment unaufmerksam. Taylor schmetterte den Ball zurück und ich bekam ihn mitten ins Gesicht; mit voller Wucht. Das war natürlich nicht ihre Absicht. Ich fiel auf den Boden und meine Nase fing an zu Bluten. Meinen Piercings ging es aber gut. Zumindest spürte ich nichts Ungewöhnliches. Ich hörte wie Cassy aufschrie und Ms. Walters abpfiff. Danny, Kyle, Cassy und Jack kamen angerannt. Jack war als erstes da. Er kniete sich neben mich. „Alle ok? Geht es dir gut?“ fragte er besorgt. Ich nickte und fasste an meine Nase. Sofort war meine Hand voller Blut. Danny und Jack halfen mir auf. Ms. Walters kam zu mir. „Alles ok? Tut sie sehr weh?“ Fragte sie und drückte darauf rum. „Alles ok, sie tut nicht allzu Doll weh.“ Meinte ich. „Oh Gott, Alexa, dass tut mir ja so leid! Oh Gott... Entschuldigung, Entschuldigung!“ rief sie. „Schon Gut.“ Beruhigte ich sie und schenkte ihr ein erzwungenes lächeln. „Alexandra, such dir jemanden aus, der dich begleitet und komm mit, ich kümmere mich um dich. Ich suchte mir wahllos jemanden aus. Zumindest ließ ich es so aussehen. Mir war natürlich klar, dass ich Jack nehmen würde. Ich ließ es aber ziemlich willkürlich aussehen. So auf die Art ‘Ist mir Momentan egal, bitte es kommt nur jemand mit...‘. Also gingen wir in die Lehrer umkleide. Ich bekam einen Stapel Taschentücher und Ms. Walters ging los um ein Kühlpack zu holen. Jack und ich saßen auf der Krankenliege. Mein Kopf hing nach unten und ich hielt mir ein Taschentuch von die Nase. „Ich muss schlimm aussehen...“ meinte ich und lachte leicht. „Ach, naja ich habe schon schlimmeres gesehen.“ Sagte Jack aufmunternd und lachte auch. Ms. Walters kam wieder und legte mir das Kühlpack in den Nacken. „Wenn es wieder aufhört, bis die Stunde vorbei ist, kommt einfach zu mir, ich sehe mir das dann an, ansonsten wartet einfach hier auf mich. Ok?“ Wir nickten. Sie lächelte und ging wieder. Wir blieben eine Weile sitzen und unterhielten uns. Ich hatte das Kühlpack weggelegt, es war eh schon kalt und meinen Kopf hielt ich auch wieder normal. „Weißt du, ich habe mir mal als ich 12 war die Nase gebrochen, weil ich schnell gegen eine Beton Säule gelaufen bin. Irgendwas scheint nicht vernünftig verwachsen zu sein, weil ich jetzt hier einen Huckel auf der Nase habe und immer, wie es meine Mutter nennt, ‘schnorchel‘ wenn ich schlafe, also nichts anderes, als das ich schnarche.“ Sagte Jack und lachte über sich selbst. Auch ich musste lachen. Das war einfach nur zu lustig. „Danke fürs aufmuntern.“ Meinte ich, noch leicht lächelnd. „Keine Problem, ich mag es einfach nicht wenn jemand traurig ist.“ Sagte er mit seinem grinsen. „Vor allem...wenn hübsche nette Mädchen traurig sind.“ Fügte er hinzu. Sein lächeln war weg. Alles prickelte in mir. Und da waren die Schmetterlinge. Wir sahen uns eine Weile in die Augen. Dann sah ich verlegen weg. Ich hörte, wie Jack leise lachte. Ich nahm das Taschentuch weg, weil ich ein neues brauchte und warf das alte in den Mülleimer. Jedoch brauchte ich kein neues, das Bluten hatte aufgehört. Ich ging ins Badezimmer und versuchte das Blut wegzuwischen. Dann klingelte es auch schon. Nach einiger Zeit kam Ms. Walters. Sie guckte sich meine Nase an, ein leichter Blauer Fleck war zu sehen, mehr nicht. Es war aber nichts gebrochen, wie es schien. Dann ging ich in die Mädchenkabine um mich umzuziehen. Die anderen Mädchen waren schon weg. Ich beeilte mich mit umziehen und Haare machen, damit ich den blauen Fleck überschminken kann. Jack wartete vor der Halle auf mich. „Danke, dass du wartest.“ Meinte ich. „Ist doch klar.“ Gabe er grinsend zurück. Wir brachten unsere Taschen weg und suchten die anderen. Danny nahm mich sofort in den Arm. „Oh Gott, geht es dir gut?“ fragte er besorgt. Ich nickte und erwiderte die Umarmung dankbar. Sowas hatte ich jetzt gebraucht.
Noch eine Stunde Englisch dann eine Französisch. Irgendwie überlebte ich die beiden Stunden.
Gleich nach der Schule hatten wir Bandprobe. Jacks Mutter brachte ihm seine Gitarre, sein Mikro und den Ständer.
Jetzt fuhr uns Sylvia zu ihnen nach Hause. Danny, Kyle, Jack und ich hatten uns hinten ins Auto gequetscht und Cassy saß vorne. Lindsay war heute gar nicht in der Schule. Angeblich wegen Grippe, keine Ahnung ob das auch wirklich stimmte.
Als wir da waren gab es erstmal Essen. Spaghetti mit Tomatensoße. Danach musste Jack uns von seinen Gitarrenkünsten überzeugen. Ich hatte ja wirklich mit viel gerechnet, aber dass es DERMASSEN gut ist, hätte ich nicht erwartet. Wir standen alle fassungslos vor ihm. Er grinste zufrieden. Ich fing an zu klatschen. Die anderen folgten meinem Beispiel. „Ok, ich denke das war überzeugend genug.“ Sagte ich, noch immer total begeistert. Jack nahm die Gitarre ab. „Also, habe ich mich qualifiziert?“ fragte er lachend. Wir lachten alle. „Ich denke schon“ meinte Cassy. Alle nickten. Dann arbeiteten wir aus, wer nun was in den Songs Spielte. Die Lieder von All Time Low konnte Jack schon, unsere logischerweise nicht. Am Ende des Tages war das aber auch alles geklärt. Alles lief super. Jack kann sogar singen. Also hatten wir schon mal noch einen Background Sänger. Obwohl ich mir nicht sicher war, ob man so ein Talent in den Background rücken sollte, aber naja, wir werden sehen. Jack fuhr noch mit zu uns, weil seine Mutter noch arbeiten musste. Wir hatten nämlich früher mit der Probe aufgehört, als geplant. Jetzt hatten wir noch ca. 40 Minuten zusammen. Ich erzählte Dad erstmal was heute in der Schule passiert ist. Dann gingen wir hoch in mein Zimmer. Also wir drei. Jack sah sich um. „Wow, du hast ja schon ganz schön was erlebt.“ Er deutete auf die Fotos. Ich lächelte und nickte. „Und naja... du ganz schön viele Poster von Vic.“ Sagte er leicht lachend. „Ja...er hat mir halt das Leben gerettet...“ meinte ich leicht verlegen, weil mir die ganzen Poster jetzt irgendwie dumm vor, so kindisch. „Wie? Was meinst du?“ fragte er. In dem Moment rief Dad Danny. Er verschwand. Ich senkte meinen Blick. „Also?“ fragte Jack erneut. Ich hielt ihm meinen Arm hin und hob meinen Kopf wieder. Es stiegen Tränen in mir auf. Warum jetzt? Bitte nicht! Jack sah mich erschrocken an. Ein Teil meines Arms war auch noch mit den Festivalbändchen verdeckt. Da sah es am schlimmsten aus. Und die lange, tiefe Narbe von meinem Selbstmordversuch war auch noch zu gut zu sehen. Ich schob die Bändchen weiter nach oben, sodass er auch die Narbe sehen konnte. Seine Augen weiteten sich etwas mehr. Da passierte es. Die Tränen liefen meine Wange entlang. „Das meine ich.“ Sagte ich erstickt. „Er hat mir da rausgeholfen. Mit seiner Musik, seinem da sein.“ Fügte ich hinzu. Meine Kehle brannte. Jack nahm meinen Arm und strich über die Narben. Ich wischte meine Tränen weg. „Das ist dumm...“ murmelte ich und lächelte gequält. Jack sah mich an. „Ok...“ murmelte er und seufzte. „Aber du warst in Therapie oder?“ fragte er. „Ja, ein halbes Jahr lang. Vor ziemlich genau einem Jahr fing meine Therapie an.“ Meinte ich und zog meinen Arm zurück. „Aber warum? Wieso hast du angefangen?“ fragte er. Es war fast nur ein flüstern. „Ich...Mobbing...Meine Eltern haben sich die ganze Zeit gestritten, dabei war meine Mutter schwanger, mit meinen beiden kleinen Brüdern. Meine kleine Schwester hat auch die ganze Zeit deswegen geweint... Meine Oma ist gestorben...Alles kam auf einmal... Ich sah keinen Ausweg...aber ich weiß es jetzt besser. Alles ist besser als ritzen und so... Vic hat es mir beigebracht. Genauso wie Oli, Austin, Kellin, Mike und Chester.“ Meine Stimme wurde immer sicherer. „Musik hat mir einen Ausweg gewiesen. Danny und ich haben mit der Musik angefangen. Ich bin mir sicher, ohne Musik würde es ihm sehr viel schlechter als jetzt gehen.“ Fügte ich hinzu. „Wie? Danny auch?“ fragte er. Ich nickte. „Ja, aber erst seit ca. 1 ½ Jahren. Ich versuche ihn noch dazu zu kriegen, dass er in Therapie geht...vor allem wegen der...“ ich stockte. „Wegen was?“ ich überlegte kurz was ich sagen wollte. „Ich kann dir das nicht sagen, das wäre nicht richtig, wenn dann muss dir Danny das selber erzählen.“ Sagte ich. Jack nickte. Er sah mich noch kurz an und lehnte sich dann zurück. Ich zog meine Ärmel runter. Aufeinmal hörten wir ein rumpeln und einen Aufschrei. Es hörte sich nach Danny an. Ich sprang auf und rannte aus dem Raum. Jack folgte mir, das hörte man. „Danny?!“ rief ich. Danny saß unten an der Treppe und hielt sich den Fuß. An seinem Arm lief etwas Blut runter. Ich hastete die Treppe runter. Dad kam auch und Jack folgte mir. „Danny, geht es dir gut?“ fragte Dad. Ich hockte mich neben Danny. Er hatte seine Augen zusammengepresst. Er nickte trotzdem. Jack hatte ein paar Taschentücher geholt und gab sie mir, damit ich das Blut wegwischen konnte. Danny hatte am Arm eine Platzwunde. „Kannst du den Fuß bewegen?“ fragte Dad. Danny versuchte es, schüttelte dann aber den Kopf. „Ich rufe einen Krankenwagen, ihr bleibt hier.“ Sagte Dad. Also warteten wir bis der Krankenwagen kommt. „Soll ich meine Mutter anrufen, dass sie mich später abholt? Dann kann ich mit euch ins Krankenhaus.“ Fragte Jack. Ich nickte und rannte die Treppe hoch um meine Tasche und mein Handy zu holen. Dann rannte ich wieder nach unten. Jack legte grade auf. „Ok, ich soll sie anrufen, wenn wir fertig sind, sie holt mich dann ab.“ Sagte er zu mir. Ich nickte und dann gingen wir zu Dad und stiegen ins Auto. Eigentlich sitze ich immer vorne, aber ich wollte lieber hinten mit Jack sitzen. Ich wusste sowieso nicht was geschieht. Ich bewegte mich nur, bzw. ich spürte, dass ich mich bewege. Meine Hand griff Jacks Hand. Mein Verstand wollte das gar nicht, aber mein Gehirn machte es einfach. Er drückte sie. Das munterte mich ein bisschen auf.
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